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Streuobst Früchte

 

 

 

 

 

 

 

Die folgenden wichtigsten Obstarten werden in Streuobstbeständen kultiviert und oft in sehr unterschiedlichen, z.T. nur lokalen Sorten angebaut: Apfel, Birne, Süßkirsche, Pflaume, Zwetschge, Walnuss. Diese Kulturobstarten stehen i.d.R. auf stark wachsenden Sämlingsunterlagen. Diese sind Grundlage für die Ausbildung von Hochstämmen. Von den jeweiligen Eigenschaften der Obstarten hängt ihre Verbreitung, ihr ökologischer Wert für die Tierwelt (z.B. Ausbildung von Höhlen, Menge an Totholz, Besiedelbarkeit der Rinde) und ihre Pflegenotwendigkeit (z.B. Schnittbedürftigkeit) ab.


 

 


Apfel (Malus domestica), Rosaceae

Winterprinzen Apfel

Biologie und Wuchseigenschaften: Der Apfel ist selbstunfruchtbar und besitzt starke Alternanzneigung, d.h. er zeigt jährliche Ertragsschwankungen. Lediglich diploide Sorten sind Befruchtersorten. Apfelbäume sind flachwurzelnd und werden bis zu 15 m hoch. Sie bilden meist breit ausladende, große Kronen (u.a. triploide Sorten), bei diploiden Sorten und Tafelsorten auch Mittelkronen ohne Hauptschaft und mit hängenden Fruchtästen aus, die zur Überbauung neigen. Es werden nur mäßige Stammdurchmesser erreicht. Relativ häufige Erhaltungsschnitte sind erforderlich. Lebensdauer (auf Sämlingen): 45 - 100 Jahre.

Substrat- und Klimaansprüche: Wegen seiner guten Anpassungsfähigkeit und des Vorhandenseins vieler klimaangepasster Sorten (u.a. Mostapfelsorten) besitzt der Apfel große ökologische Anbaubreite. Er bevorzugt jedoch Standorte mit günstigem Wärmeklima (über 7,5°C Jahresdurchschnittstemperatur und geringer Spätfrostgefahr), regelmäßiger Wasserversorgung und Böden mit hoher natürlicher Nährkraft, also tiefgründige, gut durchlüftete, humose, basenreiche Böden mit Bodenzahlen über 60. Größere Apfelbestände existieren in Bayern bis in Höhen von ca. 700 m ü. NN, einzelne Bäume besonders robuster Sorten finden sich noch in den Bayerischen Alpen bei ca. 1.100 m ü. NN.

Habitatwichtige Eigenschaften und landschaftliche Einbindung: Es werden rasch Höhlen mit z.T. großem Volumen (u.a. bei geringer Pflege) ausgebildet. Die oft bodennahe und starkastige Hauptverzweigung schafft günstige Ansitzwarten für Singvogelarten, die im untersten Luftraum jagen (Fliegenschnäpper, Rotkehlchen, Zaunkönig). Apfelbäume besitzen eine rissige Borke und sind eine gute Bienenweide.
Sie sind geeignet für flächige Pflanzungen, Reihen- und Einzelbaumpflanzungen.

 


Birne (Pyrus communis var. domestica), Rosaceae

Birne Trockener MartinBiologie und Wuchseigenschaften: Die Birne ist ausgesprochen selbstunfruchtbar, fruchtet aber regelmäßiger als der Apfel. Sie bildet tiefwurzelnde Bäume von 10 - 20 m Höhe mit schmalen und hohen pyramidalen Kronen aus. Die meisten Tafelsorten sind mittel-, viele Mostbirnensorten großkronig. Die Krone ist meist lichter als beim Apfel und besitzt mehrere oft durchgehende Hauptstämme. Nach abgeschlossener Kronenerziehung (ca. ab dem fünften bis sechsten Standjahr) ist ein gelegentlicher Instandhaltungsschnitt ausreichend. Lebensdauer: 60 - 100 Jahre (auf Sämling), 25 -35 Jahre (auf Quitte). Mostbirnen erreichen ein Alter von bis zu 200 Jahren.

Substrat- und Klimaansprüche: Birnbäume (u.a. spätreifende Sorten) haben höhere Wärmeansprüche als Apfelbäume und bevorzugen wie diese tiefgründige, humose Böden mit guter Wasserversorgung. Große ökologische Anbaubreite und verschiedene Sorten ermöglichen ihren Anbau in unterschiedlichen Klimabereichen. Die Birne neigt hinsichtlich der Bodenanforderungen (Luft-, Wasserhaushalt) eher zur trockenen als zur feuchten Variante. Zu Nässe neigende oder wechselfeuchte Böden beeinträchtigen das Triebwachstum und verstärken die Anfälligkeit für Schäden im Holz. Mehr als Äpfel sind Birnen im Holz gegenüber extremen Winterfrösten empfindlich (u.a. auf Quittenunterlagen). Lediglich Mostbirnen sind sehr frosthart. In größeren Beständen in Bayern bis in Höhen von 700 m ü. NN vorkommend. Einzelne Mostbirnen und Wildlinge eignen sich zur Anpflanzung in rauem Klima (bis 1.200 m ü. NN).

Habitatwichtige Eigenschaften und landschaftliche Einbindung: Birnbäume besitzen eine rissige Rinde und bilden rasch Höhlen aus, allerdings etwas langsamer als Apfelbäume. Durch ihre hochpyramidale Wuchsform sind Birnbäume besonders zur Anpflanzung an Straßen und Wegen geeignet. Mostbirnen sind - u.a. in Einzelstellung - von besonderer landschaftsprägender Wirkung. Sie werden u.a. dort angebaut, wo traditionell Schnaps gebrannt wird.


Süßkirsche (Prunus avium), Rosaceae


Biologie und Wuchseigenschaften: Süßkirschen sind selbstunfruchtbar und bilden Intersterilitätsgruppen (Gruppenunfruchtbarkeit). Mit Ausnahme weniger Sorten zeigen sie geringe Alternanzneigung. Ihr Wurzelsystem ist tief und ausgebreitet. Die Bäume erreichen eine Höhe von 15 - 25 m und bilden auf guten Böden große, hohe, ausladende Kronen aus. Sie werden auch in Intensivanlagen meist auf Hoch- (Halb-) Stämmen gepflanzt, da schwach wachsende Unterlagen sich in der Praxis noch nicht durchgesetzt haben. Die Zweige sind steif abstehend und aufwärts gerichtet und relativ gering schnittbedürftig, da die Kronen nach vier bis fünf Jahren weitgehend selbst reguliert werden. Lebensdauer (auf Vogelkirschen-Sämling): 45 -60 Jahre.

Substrat- und Klimaansprüche: Im Hinblick auf die Bodenverhältnisse besteht eine große ökologische Anbaubreite. Sofern ausreichend Wasser und Nährstoffe verfügbar sind, stehen Kirschen auch auf Böden, die aus Keupermergel,  Kalklehm oder Geschiebemergel hervorgegangen sind und sogar auf mittelgründigen, mäßig trockenen Böden. Unabdingbar für ihr Gedeihen ist gute Bodendurchlüftung. Auf wechselfeuchten, zu Nässe neigenden und kalten Böden werden Triebwachstum und Fruchtentwicklung beeinträchtigt. Kirschen sind kalkhold. Sie besitzen hohe Spätfrostempfindlichkeit der Blüten und besondere Empfindlichkeit gegenüber kaltluftgefährdeten Lagen. Temperaturen unter -20°C können Frostschäden am Holz verursachen. Bei Strahlungswetterlagen und Schneedecke besteht die Gefahr von Stammrissen. In windstillen Lagen werden sie gebietsweise stark durch die Kirschfruchtfliege befallen. Brennkirschen sind i.d.R. härter und unempfindlicher als Tafelkirschen. Sie sind Zufallssämlinge, die vermutlich unter Mitwirkung von Wildkirschen aus Tafelsorten entstanden sind. In größeren Beständen kommen Süßkirschen in Bayern bis in Höhen von ca. 600 m ü. NN vor.

Habitatwichtige Eigenschaften und landschaftliche Einbindung: Höhlen werden erst spät und in geringem Umfang ausgebildet. Kirschen haben eine glatte Rinde und sind eine gute Bienenweide.


Pflaume, Zwetschge (Prunus domestica), Rosaceae


ZwetschgenBiologie und Wuchseigenschaften: Es gibt selbstfruchtbare und selbstunfruchtbare Sorten von Pflaumen. Sie sind aus der Sammelart Hauspflaume hervorgegangen und lassen sich zum großen Teil wurzelecht über Ausläufer vermehren. Die größte Verbreitung zeigt die Hauszwetschge. Schlehe (Prunus spinosa) und Kirschpflaume (Prunus cerasifera), die zur Befruchtung von Sorten der Hauspflaumen-Gruppe fähig sind, werden als deren Kreuzungseltern angesehen. Als Besonderheit ist die "halbwilde" Brennzwetschge "Zibarte" anzusprechen. Die flach wurzelnden Bäume bilden kleine Kronen aus und erreichen eine Höhe von 8 - 10 m. Wirtschaftliche Lebensdauer: 30 - 40 Jahre.

Substrat- und Klimaansprüche: Pflaumen und Zwetschgen verfügen über eine sehr große ökologische Anpassungsfähigkeit bei guter Winterfrosthärte. Sie gedeihen auch in kalten Lagen und in Gebieten mit kontinentalem Klimacharakter. Toleriert wird neben warm-trockenen und kühl-feuchten Verhältnissen sogar mangelnde Durchlüftung des Bodens. Außergewöhnliche ökologische Anpassungsfähigkeit besitzt die Hauszwetschge. Durch extreme Wintertemperaturen verursachte Teilschäden an Spross und Wurzel werden gut überwunden. In größeren Beständen bis in Höhen von ca.700 m ü. NN vorkommend, robuste Sorten auch bis 1.000 m ü. NN.

Habitatwichtige Eigenschaften und landschaftliche Einbindung: Es werden deutlich weniger Baumhöhlen als bei Apfel und Birne ausgebildet. Zwetschgen können durch Wurzelausläufer und Stockausschläge Gebüsche und Hecken ausbilden und spielen bei der Verbuschung aufgelassener Streuobstbestände eine große Rolle. Sie sind oft in dichten Reihen entlang von Feldrainen oder an Hängen zu finden, z.T. handelt es sich auch um Sämlinge aus Kernen herabgefallener Früchte. Eignung besteht für flächige Pflanzung, Reihenpflanzung an Feldwegen und Bachläufen und Einzelstellung. Durch heckenartigen Wuchs können Zwetschgenwildlinge von Hecken- und Gebüschbrütern genutzt werden. Alle Pflaumen und Zwetschgen sind eine gute Bienenweide. Probleme beim Anbau von Zwetschgen können durch ihre Anfälligkeit gegen die Scharka–Virose auftreten.


Walnuss (Juglans regia), Juglandaceae


WalnussBiologie und Wuchseigenschaften: Walnüsse sind einhäusig und selbstunfruchtbar und vermehren sich z.T. über Apomixis (ungeschlechtliche Fortpflanzung). Die tiefwurzelnden Bäume erreichen eine Höhe von 20 (- 30) m. Bei Sämlingsvermehrung werden breit ausladende, große Kronen ausgebildet. In Streuobstbeständen kommen i.d.R. unveredelte Sämlinge zur Anpflanzung. Hinsichtlich der Schnittbedürftigkeit ist die Walnuss als anspruchsloseste Kulturart anzusehen. Lebensdauer: 100 (- 150) Jahre.

Substrat- und Klimaansprüche: Walnussbäume zeigen relative Anspruchslosigkeit gegenüber Bodenverhältnissen, bevorzugt werden aber nicht zu trockene und gut durchwurzelbare Böden ohne Staunässe besiedelt. Auf kalten Böden ist erhöhte Frostgefahr gegeben. Sowohl Fruchtansatz als auch junge Sprossaustriebe und Holz zeigen hohe Empfindlichkeit gegenüber Spätfrösten. Als lichtbedürftige Art gedeihen Walnüsse am besten in Solitärstellung. In größeren Beständen in Bayern bis in Höhen von 500 m ü. NN vorkommend.

Habitatwichtige Eigenschaften und landschaftliche Einbindung: Ältere Bäume besitzen eine rissige Borke und zeigen eine gute Ausbildung von Baumhöhlen. Neben ihrer landschaftsprägenden Wirkung zeichnen sie sich durch tierökologische Bedeutung aus (u.a. für Ameisen und Höhlenbrüter). Walnüsse sind traditionelle Hausbäume. Sie sind u.a. geeignet zur Pflanzung als Einzelbäume (Hausbaum, Schattenbaum etc.) und entlang von Wegen.

(verändert nach Landschaftspflegekonzept Bayern, Bd.II.5 Streuobst; StMLU/ANL 1994; S.17)

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